2. Advent

Auf dem Marktplatz traf sie etwas Nasses an der Schulter. Sie erschrak und hob den Blick.

Vor ihr waberte eine Seifenblase durch die Luft.

Sie glänzte und schimmerte in vielen Farben. Sie war gemächlich.

Die Frau konnte ihre Augen nicht von der Seifenblase lösen. Sie war so schön. Und sie erinnerte die Frau an etwas … Nur, was war es?

Sie schüttelte den Kopf und wollte weiter gehen. Sie würde eh schon zu spät kommen.

Da rief ihr jemand zu: „Junge Frau! Diese hier ist für Sie!“

Es war der Mann, der die Seifenblasen fliegen ließ. Er schwang sein nasses, seifiges Seil und zauberte viele neue Blasen hervor. Sie alle glänzten wie schon die davor und tanzten gemütlich um die junge Frau herum.

Der Mann lachte. „Ist es nicht schön? Das ist mein Geschenk für Sie.“

Die Frau hatte ihre Arbeit vergessen. Sie konnte nur zuschauen.

Da kamen Kinder angerannt und versuchten lachend und hüpfend die Blasen zu zerstechen.

Verwundert fragte die junge Frau den Mann: „Aber im Leben gibt es doch nichts geschenkt?“

Da lachte der Mann laut und aus voller Kehle: „Das sagen die, die nichts geschenkt haben wollen.“ Er ließ die Seifenstäbe kurz liegen und wischte sich Tränen aus den Augen. „Was für ein Irrtum“, kicherte er. „Schauen Sie doch, die Kinder!“

Die junge Frau war irritiert und wandte sich ab zum Gehen.

„Träume dürfen fliegen, wissen Sie“, hörte sie den Mann noch hinter sich murmeln.

Träume sind wie Seifenblasen, dachte die junge Frau. Sie zerplatzen … FORTSETZUNG FOLGT