3. Advent

Auf der Arbeit konnte sie sich nicht konzentrieren. „Sind Sie krank?“, wollte der Chef wissen. „Dann gehen Sie sich auskurieren. So nützen Sie nicht viel.“

So nützte sie nicht.

Zuhause grübelte die junge Frau.

Und sie weinte.

Warum, wusste sie nicht.

Da war ein Schmerz in ihr, ganz tief drin. Er pochte gegen die Brust und stach ihr in den Bauch. Er hämmerte dumpf und beständig. Er wurde nicht müde.

Das waren die vergessenen Träume. Sie waren ein Teil von ihr. Stück für Stück hatte man sie angeknabbert, beinahe aufgefressen. Die Träume waren klein geworden, doch verschwunden waren sie noch nicht.

Sie hatten sich zurückgezogen, um zu überleben. Sie hatten gewartet und gehofft, irgendwann wieder wachsen zu dürfen.

Nun hämmerten sie gegen die Wand des Vergessens. Und sie schickten Bilder zu der jungen Frau. Ließen Gefühle aufsteigen wie gefüllte Luftballons.

Sonnige Glückseligkeit.

Frische Sommerfreudigkeit.

Purpurrote Mutigkeit.

Silberkräftige Entschlossenheit.

Da erinnerte sich die junge Frau. Und sie erschrak über sich selbst. Wie hatte sie all das vergessen können?

Sie begann wieder zu träumen. Sachte und vorsichtig.

Die Arbeit wollte wissen, wo sie bliebe. Sie sagte, sie sei krank.

Sie brauchte Zeit zum Träumen.

Sie brauchte Zeit zum Heilen.

Sie wollte die Welt verändern. Nicht im Großen, aber im Kleinen.

Für sich und für einige andere.

Sie wollte Raum schaffen. Raum für Leben. Raum für Gemeinschaft. Für Kreativität.

Raum für Träume.

Die junge Frau packte ihre Sachen und ging. Sie lief in ein Feld.

Als sie am Ende des Feldes ankam, lief sie weiter, durch den Wald. Ihr war ein bisschen bange, doch am Ende des Waldes lief sie weiter, über Straßen und durch Bäche und durch viele weitere Felder und noch einen Wald.

Jeder Schritt kostete sie Mut und machte sie doch frei. Sie wollte immer weiterlaufen, doch ihre Beinen taten weh. Also blieb sie stehen … FORTSETZUNG FOLGT