Wenn der Kuli klemmt – Die Krux mit dem Schreiben

Seit einiger Zeit versuche ich mich an einem ziemlich großen Projekt: Ich schreibe ein Buch. Die Idee dazu entstand vor ungefähr vier Jahren, die Arbeit dafür wurde vor zwei Jahren aufgenommen, eine gute Arbeitsweise habe ich seit etwa vier Monaten. Was mich dabei beschäftigt und warum zur Hölle ich mich dem überhaupt aussetze, will ich hier versuchen zu erklären.

Es klingt so einfach: ein Buch schreiben. Da hast du eine Idee, na und die schreibst du einfach auf, richtig? Tja, wäre es doch so leicht … Auf einmal musst du planen und festhalten, musst überlegen, wohin du eigentlich willst, um nicht im Meer der Ideen zu verschwinden und den Ausweg nicht mehr zu finden. Plötzlich beschäftigst du dich mit dem Leben nicht-realer Personen, die darauf warten, „real“ zu werden. Du merkst, was du ganz explizit nicht kannst und suchst nach Antworten und Lösungen. Was mir bei diesem Projekt nun klar wird: Ich lerne eine ganze Menge über mich selbst. Ich werde mit meiner Arbeitshaltung, meiner Arbeitsweise, meinen Glaubenssätzen und Ängsten konfrontiert, jeden Tag aufs Neue. Und ich darf lernen, wie ich damit umgehe, wenn ich weiterkommen will.

Wie viele Videos von anderen habe ich gesehen, wie viele Blogartikel und Tipps gelesen, nur um festzustellen, dass vieles bei mir nicht funktioniert. Wie sehr habe ich mich geschämt, als ich plötzlich feststellte, dass Schreiben nicht mein einzig wichtiger Lebensinhalt ist, wo ich doch dachte, nur dann kann ich auch eine echte Autorin sein! „Warum schreibe ich eigentlich?“, musste ich mich fragen. Ich schreibe, weil es so viele Geschichten zu erzählen gibt und weil ich sie auf meine Weise erzählen will. Ich schreibe, weil ich diese Geschichten lesen will. Und mittlerweile schreibe ich wieder, weil es Spaß macht sie aufzuschreiben und in meiner Fantasie zu versinken.

Wer hätte gedacht, dass ich mit fünfzehn Minuten Buchzeit am Tag ein Buch schreiben kann? Ganz genau, fünfzehn Minuten. Das ist meine persönliche Wohlfühlzeit, die es mir leicht macht, mich hinzusetzen und weiterzuarbeiten. Fünfzehn Minuten schaffe ich sogar, wenn ich nur kurz Zeit habe und manchmal kommt ganz überraschend eine halbe Seite Text zustande, die voller Enthusiasmus in die Tasten gekloppt wird. Und dann wieder lese ich nur eine Szene durch oder schaue etwas nach und suche Informationen zusammen und ja, manchmal starre ich auch nur auf diesen blöden Bildschirm und denke mir: „Keinen Bock.“ Andere Male wiederum vergesse ich die Zeit und habe plötzlich eine halbe oder sogar eine ganze Stunde gefüllt. Was mir hier unglaublich geholfen hat, war der Tipp der „Kleinsten Einheit“, die es mir möglich macht, irgendetwas an der Geschichte zu arbeiten. Wenn ich wirklich gar keine Motivation finde, nicht einmal für Fünfzehn Minuten, dann schaue in mein Buch, in dem ich Ideen festhalte, blättere einfach herum und lese vielleicht eine Notiz daraus. Fertig.  Das ist meine kleinste Einheit. In gewisser Weise trickse ich mich damit selber aus. Diese vielen kleinen Mini-Schritte aber ließen mich in diesen vier Monaten mehr schreiben und planen, als in den ganzen zwei Jahren zuvor! Weil ich dranbleibe, weil ich den Anschluss nicht verliere und nicht immer wieder ganz von vorne aufrollen muss, was ich mir irgendwann einmal ausgedacht habe.

Ab und zu entscheide ich mich aktiv dafür, heute nichts zu tun (ein Tipp von Barbara Sher). Damit begebe ich mich aus der „ich kann einfach nicht“- Opferposition hinaus und habe es irgendwie in der Hand. Vor allem, wenn ich im Urlaub bin und das schlechte Gewissen sich einstellt, ist das sehr erleichternd. Es gibt Zeiten für Routine und es gibt Zeiten, sie zu brechen.

Wer sich mit der Schreiberei beschäftigt, wird auf viele Ideen und Einstellungen treffen. Das wichtigste ist dabei, für sich selbst zu schauen, was passt und was nicht. Und nur, weil jemand nicht zwanghaft acht Stunden am Tag dem Schreiben widmet, heißt das doch noch lange nicht, dass er nichts zustande bringt. Ich habe manchmal das Gefühl, dass diese Ganz-oder-gar-nicht-Haltung uns in vielen Bereichen eher ausbremst, als loslegen lässt. Wir verwehren uns damit die Neugier auf das Ausprobieren und die Erlaubnis, uns immer wieder neu zu erfinden. Wie wäre es mit ein bisschen mehr „Mal sehen, was hier passiert“? Das meine ich nicht nur beim Schreiben, sondern bei allem, was uns an Ideen vorschwebt! Wenn ein neues Projekt auch Ängste auf den Plan ruft, was das absolut Normalste auf der Welt ist, dann kann ein stückweises Herantasten und Ausprobieren aus Spaß doch eine Lösung sein? Wie eine Freundin von mir gerne fragt: „Darf’s auch Spaß machen?“

Wie schnell wird aus Spaß plötzlich Zwang? Wenn wir uns erlauben, zu scheitern und dabei auch noch neugierig sind auf den nächsten Versuch, was kann dann eigentlich noch schief gehen?

Wie lange ich am Ende für mein Buch brauche, weiß ich nicht. Ich schreibe meine erste Fassung, die danach noch sehr viel Lückenschluss brauchen wird, das weiß ich jetzt schon, aber es hält mich nicht mehr auf. Eher freue ich mich darauf, irgendwann eine zweite Fassung erarbeiten zu können, denn das heißt, dass ich eine erste schon geschafft!

Deshalb ist dies – mal wieder – ein Plädoyer fürs Ausprobieren. Mit Spaß, mit Leichtigkeit und einer großen Portion Neugier auf das, was wir dabei herausfinden.

Anmerkung für Interessierte: Viele Möglichkeiten habe ich aus dem „Zeit zu schreiben“- Kurs von Jurenka Jurk für mich entdeckt, in dem auch die Power-Schreibzeit von fünfzehn Minuten eingebaut war, die ich mir als generelle Arbeitsweise erhalten habe.

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