La Rioja

Es ist Ende Oktober. Die Sonne scheint. Es ist warm, zumindest während der Sonnenstunden. „Wir haben verdammt viel Glück dieses Jahr“, sagen die Vitorianer. Glück, so sehe ich das auch, und packe meinen Rucksack für die nächste Wanderung.

Etwa dreißig Kilometer südlich von Vitoria fahren wir in das Gebiet La Rioja. Hier gibt es Weinberge, die sich rötlich schimmernd der Sonne entgegenstrecken. Und richtige Berge, natürlich, die sind hier nicht wegzudenken. Von dem Dorf La Bastida aus starten wir unseren Aufstieg zu den beiden Bergen Toloñe und Peñalasdoce. Fröhlich und motiviert, halb ausgeschlafen (schließlich war gestern Samstag) und mit dem Durst nach neuen Bildern, neuen Wegen, neu zu entdeckender Natur.

Dachten wir uns am Fuß des Berges noch ‚Was für ein Glück mit dem Wetter‘, sieht es auf der Spitze, auf einmal ganz anders aus. Der Wind pfeift uns nur so um die Ohren, alle Jacken, die der ein oder andere noch geistesgegenwärtig eingepackt hat, werden angezogen. Manchmal verschluckt uns dichter Nebel, dann wieder herrscht klare Sicht und gibt die Schönheit der Region preis. Es ist wie ein Spiel, das der Wind sich ausgedacht hat, um uns Wanderer herauszufordern. Aber die steifen Glieder und verkrampfenden Finger lohnen sich. Hellgraue Felsköpfe recken sich aus dem grün-braun gefleckten Bergrücken hervor wie Beine aus dem Panzer einer Schildkröte und im Tal heben sich lauter kleine Berge wie Krokodilrücken aus den rot gefärbten Weinbergen hervor. Es ist ein phantastisches Bild, das Hinschauen wird einfach nicht langweilig.

Wieder unten angekommen, wenigstens zur Hälfte aufgetaut, belohnen wir uns mit einem heißen Kakao oder Kaffe in der Steinhütte neben dem Parkplatz. Die Route ist absolut lohnenswert und auch für Anfänger gut bewältigbar. Es gibt hier und da ein paar steile Anstiege, aber der Weg auf die Spitze ist nicht weit und es gibt zwischendrin genug Stationen, die eine Pause zum Bestaunen der Landschaft herausfordern.

Im Nebel

(Oktober 2017)

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