Bye Bye Plastic Bags

Plastic, plastic everywhere?

Zwei Mädchen aus Bali haben eine Vision: Plastikfreie Meere, saubere Stände, müllfreie Natur. Vor einiger Zeit entdeckte ich einen interessanten Ted-Talk (eine Redner Serie), in dem zwei Mädchen aus Bali über ihre Kampagne Bye Bye Plastik Bags sprechen. Sie sprechen nicht nur über saubere Sandstrände und gereinigte Meere, sondern auch darüber, dass Kinder sehr viel ernster genommen werden sollten. Denn „us kids may only be 25 percent of the worlds population but we are 100 percent the future.“ Diese beiden Mädchen, Melati und Isabel Wijsen, sind bei dieser Rede 2013 gerade einmal zehn und zwölf Jahre alt. 2017 wurden sie Preisträgerinnen des Bambi-Awards „Unsere Erde“. Ich war beeindruckt von ihrem Engagement und der Energie, die die zwei in ihr Projekt steckten. Mittlerweile hat BBPB internationale Kooperationen mit vielen Ländern. Darunter auch Malta. Wie praktisch, dachte ich mir, da bin ich doch eh bald, und habe ganz spontan bei den zuständigen Ansprechpartnerinnen für ein Interview angefragt. Ich wollte mehr erfahren. Was steckt dahinter, wie hoch ist die Motivation, mit welcher Einstellung packen sie es an?

Ein paar Wochen später: Wir sitzen im sonnigen Innenhof der Verdala International Highschool in Malta. Zoe und Josefine aus Deutschland, die beiden Teamleader der Gruppe, Mindy aus Schweden und Maria aus Russland. Während meines Aufenthaltes hier ist mir der herumfliegende Müll sehr negativ aufgefallen, überall in den Straßen, in den Parks, auf der Fähre. Alles landet direkt im Meer. Dabei haben die Malteser ein unglaublich schönes Meer, tiefblau und klar. Die 17-jährigen Mädchen erzählen mir vom Beginn der Idee zu BBPB, wie sie gerade versuchen, eine feste Gruppe aufzubauen und welche Ideen in ihren kreativen Köpfen herumschwirren, um den Plastikmüll auf Malta zu verringern und den Gebrauch von Einmal-Plastiktüten zu stoppen.

Wie seit ihr zu BBPB gekommen? Zoe: Josefina und ich haben ein Jahr lang auf Bali gelebt und uns mit Melati angefreundet. Wir waren auf der gleichen Schule, der Green school. Letztes Jahr fand in Malta die Ocean Conference statt und Melati war dort eingeladen. Da haben wir sie gefragt, ob sie auch an unserer neuen Schule sprechen und auf die Kampagne aufmerksam machen kann. Danach haben wir mit ein paar Schulkameraden eine eigene Gruppe gegründet.

Was macht BBPB aus? Wir wollen versuchen, dass jeder das globale Problem versteht, dass durch Plastik entsteht und dass jeder etwas verändern kann, einen besseren Planeten für die Generationen der Zukunft schaffen kann, ganz egal, welches Alter er oder sie hat.

Wie viele Mitglieder seid ihr mittlerweile? Mit uns vierzehn.

Welche Projekte habt ihr ins Auge gefasst? Anfang des Jahres haben wir unsere erste Müllsammelaktion hier in Pembroke (Anm. Stadteil in Malta) gehabt und die Gegend von Plastik befreit. Wir fangen gerade erst an, die Gruppe richtig aufzubauen, es ist wichtig, eine stabile Basis zu schaffen. Aber wir möchten bald ein Promotion-Video drehen. Am Sonntag (22.4.) ist der International Earthday, an dem wir uns mit anderen Organisationen treffen. Es wird eine landesweite Müllsammel-Aktion gestartet. Außerdem wollen wir anfangen, Unterschriften zu sammeln gegen den Gebrauch von Plastiktüten. Eine Frau von „For Oceans“ hat uns den Tipp gegeben, weil es sonst schwerer wird, die Regierung einzubeziehen. Wir starten also eine Petition und möchten dann die Regierung um Hilfe bitten und mit ihnen ins Gespräch kommen. Dafür gehen wir auch auf die Straße, um die Leute direkt anzusprechen.

Wie wollt ihr auf euch aufmerksam machen? Wir glauben, das Wichtigste ist es, ein Bewusstsein für das Problem zu schaffen. Die Leute müssen sehen, was ihr Verhalten anrichtet. Über Präsentationen wollen wir Aufklärung betreiben. Darauf sind wir schon sehr gespannt.

Auch aufgeregt? Ja aber das wäre so cool! Vor einer Gruppe Menschen sprechen zu dürfen über das Thema, das uns bewegt.

Was glaubt ihr, wie man die Leute für die Plastikverschmutzung sensibilisieren kann? Zum Beispiel durch diese grausamen Bilder von Tieren, die im Meer an Plastiktüten verenden oder sich im Müll verheddern und nicht mehr herauskommen. Außerdem folgen Menschen gerne Trends, so blöd das vielleicht klingt, aber wenn sie zum Beispiel durch ein bestimmtes Siegel im Laden oder Restaurant sehen, dass man dort mit gutem Gewissen einkaufen kann, dann machen sie das, um sich besser zu fühlen. Andere Läden wollen dann auch so ein Siegel bekommen, mehr Leute wollen bei diesem Siegel einkaufen und je mehr der Trend steigt, desto mehr Aufmerksamkeit bekommt das Thema. Außerdem ist es wichtig zu verstehen, warum man etwas verändern soll. Einfach nur „Ist blöd“ reicht nicht. Daran wollen wir arbeiten.

Habt ihr konkrete Ideen, was ihr verändern wollt? Das Problem ist immer, dass man den Menschen eine Alternative geben muss. Wenn wir einfach sagen, nehmt keine Plastiktüten, die sind schlecht, werden sie fragen: Aber was soll ich dann nehmen? Wir brauchen also Alternativen. Zum Beispiel Stoffbeutel oder wenigstens Papiertüten. Die vielen Plastikflaschen sind hier ein großes Problem. Man könnte die Lieferung von Glasflaschen zu den Leuten nach Hause verbessern, das gibt es schon.

Was sind eure Ziele mit der Gruppe? Wir wollen es leichter machen, sich einzubringen. Jeder denkt, was kann ich schon erreichen, ich bin doch nur ein Kind-

…oder auch ein Erwachsener, die haben nämlich genau das gleiche Problem … Genau. Aber wenn es einfacher wird, sich in einer Gruppe aktiv einzubringen, würden mehr Menschen merken, dass man zusammen etwas bewirken kann. Deshalb möchten wir unsere Mitschüler dazu animieren, es doch mal auszuprobieren und zu helfen. Und ganz wichtig, das Bewusstsein für das Plastikproblem stärken.

Und wodurch möchtet ihr animieren? Wir wollen eine Balance zwischen Aufklärung und Aktivitäten schaffen. Gemeinschaftliche Aktionen und Unternehmungen organisieren.

Das Gespräch mit den vor Ideen sprudelnden Mädchen hat mir eines wieder klar gemacht: Veränderung fängt im Kleinen an. Und das ist zuallererst ein Gedanke. Das Auseinandersetzen mit Umweltverschmutzung und Klimawandel lässt uns alltägliche Dinge schon mit anderem Blick sehen. Unser Einkaufsverhalten, Wasserverbrauch, Putzmittel, Ernährung. Die Liste ist lang und wird bei weiterem Nachdenken immer länger, es kann einem davor grauen. Aber der Aufruf lautet nicht: „Rette jetzt sofort die Welt, genau du, kleines Individuum, pack deinen Superman-Anzug aus und los geht’s!“ Sondern der Aufruf dieser vielen fleißigen Kids lautet: „Werde dir bewusst über dein Verhalten und seine Konsequenzen.“ Ich denke, das ist nicht zu viel verlangt. Veränderung kommt damit ganz von selbst.

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