1. Advent

Träume sind wie Seifenblasen

(Eine Geschichte von Nina Lischke)

Eine junge Frau erfüllte sich ihren Lebenstraum.

Doch um diesen zu erreichen, musste sie eine Prüfung bestehen. Sie beging eine Reise, eine Reise zu sich selbst.

Das kam so: Sie hatte einen Job, weil man das so allgemein hat.

Der Job fraß sie auf. Genüsslich zerkaute er die vielen Ideen in ihrem Kopf, wenn sie abends energielos und müde auf ihr Sofa plumpste.

Es gab einmal eine Zeit, bevor sie in diesem Job arbeitete. Da träumte sie viel.

Sie wollte die Welt verändern. Nicht im Großen, aber im Kleinen.

Für sich und für einige andere.

Sie wollte Raum schaffen. Raum für Leben. Raum für Gemeinschaft. Raum für Kreativität.

Sie erzählte ihren Freunden von den Träumen.

Sie sagten: „Arbeite erstmal. Dann wirst du ja sehen. Du musst deine Miete bezahlen.“

Sie sagten: „Im Leben gibt es nichts geschenkt.“

Also ging die junge Frau arbeiten. Nur ein bisschen, weil sie noch träumen wollte. Sie erzählte ihren Kollegen von den Träumen.

Sie sagten: „Dafür musst du aber mehr arbeiten. Sonst hast du nie genug Geld. Im Leben gibt es nichts geschenkt.“

Also arbeitete die junge Frau mehr. Ihr Leben drehte sich um Geld und Perfektion und Sich-Beweisen. Sie strampelte für das Geschäft anderer Menschen.

Danach hatte sie keine Energie mehr zum Träumen.

Manchmal fragte sie sich: Wofür arbeite ich? Doch sie war zu müde, um auf die Antwort zu warten.

Eines Tages ging die junge Frau schnell in die Stadt, um sich schnell ein Mittagessen zu besorgen, damit sie schnell wieder auf der Arbeit war und schnell ihre Arbeit für andere Menschen vorantrieb. Immer musste alles schnell gehen, denn: „Sie wissen ja, die Konkurrenz schläft nicht.“

Sie passierte den Marktplatz. Dort ließ ein Mann riesige Seifenblasen fliegen. Die Frau sah sie nicht.

Sie hetzte in ihr Stammbistro. Sie wippte mit den Füßen, während das Essen viel zu langsam heiß wurde.

Sie machte sich auf den Rückweg. Sie war spät dran… FORTSETZUNG FOLGT!